Hintergrund

Warum ein EU-Projekt in der Blitzenreuter Seenplatte?

1. Der ökologische Wert der Blitzenreuter Seenplatte soll erhalten bleiben

Moorschutz ist Lebensraumschutz
In der Blitzenreuter Seenplatte zeigt sich Ihnen als Besucher eine Vielfalt an verschiedenen Lebensräumen auf engem Raum. Neben bewaldeten Abschnitten ist das Gebiet hauptsächlich von Feuchtlebensräumen geprägt. Offene Wasserflächen, umgeben von Schilfröhricht und Seggenried, finden sich hier ebenso wie Quellsümpfe, Erlenbruchwälder, bewaldete und offene Übergangs- und Hochmoorflächen. Die unterschiedlichen Lebensräume spiegeln zum einen Unterschiede in der Zusammensetzung des Untergrundes, zum anderen verschieden lange Entwicklungsszeiten wider. Das Vorhandensein fast aller Verlandungsstufen vom See bis zum Hochmoor ist eine der Besonderheiten der Blitzenreuter Seenplatte (Röhrichte, Seggenriede, Niedermoor, Bruch- und Moorwald, Hochmoor, Hochmoorkolk).

 

Moorwald im Häckler Ried

Moorschutz ist Artenschutz
Der hohe ökologische Wert von Feuchtlebensräumen zeigt sich unter anderem in der Seltenheit der darin lebenden Tier- und Pflanzenarten. Viele Feuchtgebietsarten stehen heute in Deutschland und Europa auf den Roten Listen der bedrohten Arten. Die Blitzenreuter Seenplatte bietet derzeit noch zahlreichen gefährdeten Tier- und Pflanzenarten Lebensraum. Besonders wichtig in diesem Zusammenhang ist die geographischen Lage der Blitzenreuter Seenplatte zwischen anderen Moorgebieten im Allgäu (Pfrunger/ Burgweiler Ried, Federsee, Wurzacher Ried): Für das Überleben seltener Tier- und Pflanzenarten ist unter anderem auch der genetische Austausch mit Populationen benachbarter Gebiete notwendig. Als Brücke zwischen diesen grossen, artenreichen Moorgebieten übernimmt die Blitzenreuter Seenplatte daher eine wichtige Funktion.

Neben verschiedenen Wirbellosen wie Libellen, Schmetterlingen, Spinnen und Heuschrecken sind auch die Ringelnatter (Natrix natrix) und die Kreuzotter (Vipera berus) im Gebiet anzutreffen. Viele Vogelarten nutzen die Blitzenreuter Seenplatte als Brutgebiet, bzw. als Rastgebiet auf dem Zug. Schwarzmilan (Milvus migrans), Schwarzspecht (Dryocopus martius), Bekassine (Gallinago gallinago), Zwergschnepfe (Lymnocryptes minimus). Auch unter den Pflanzen sind einige Besonderheiten im Projektgebiet vertreten, wie z. B. Orchideen, der Fieberklee (Menyanthes trifoliata) Wollgras (Eriophorum), 3 Gattungen von fleischfressenden Pflanzen (Sonnentau (Drosera), Wasserschlauch (Utricularia), Fettkraut (Pinguicula)), die torfbildenden Torfmoose (Sphagnum) und die Rosmarinheide (Andromeda polifolia).

 

Junge Ringelnattern wärmen sich in der Herbstsonne am Ufer des Häckler Weihers


Gut getarnt ist die Gerandete Jagdspinne in der Vegetation einer Streuwiese...

 

... auf Beutefang geht sie jedoch zum Wasser

Moosbeere

Kleiner und Mittlerer Wasserschlauch sind typische Pflanzen flacher Moorschlenken


Moorschutz ist Klimaschutz
Funktionstüchtige Moore dienen als Endlager für z.B. Kohlendioxid (CO2) und andere klimawirksame Gase. Die Pflanzen der Moore nehmen diese Stoffe aus der Umgebung auf und wandeln sie um zu Stoffen, aus denen sie Lebensenergie beziehen können. Nach Absterben der Pflanzen findet im wassergesättigten und sauerstoffarmen Milieu der Moore kein oder nur sehr wenig Abbau des Pflanzenmaterials statt. Statt dessen werden die Pflanzen und mit ihnen Nährstoffe und andere Stoffe dauerhaft im nassen Boden gelagert und werden allmählich zu Torf. Moore können so der Atmosphäre diese Gase entziehen und tragen somit dazu bei, den Treibhauseffekt zu verringern. Erst bei Trockenlegung und Zerstörung der Moore werden diese Stoffe wieder freigesetzt.

 

2. Die Blitzenreuter Seenplatte hat sich verändert

Seit Ende des 19. Jahrhunderts und in grösserem Umfang seit den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts wurde das Dornacher Ried zum Zweck des Torfabbaus und später auch für landwirtschaftliche Nutzung und Wegebau systematisch entwässert. Heute sind im Dornacher Ried, Häckler Ried und am Schreckensee noch funktionstüchtige Entwässerungsgräben in einer Gesamtlänge von ca. 15 km vorhanden. Vor allem die Torfzersetzung durch Entwässerung, aber auch direkter Nährstoffeintrag aus der Luft und der umliegenden Landwirtschaft haben zudem in den letzen Jahrzehnten zu erhöhtem Nährstoffgehalt in den Böden geführt. Die noch naturnahen Abschnitte der Moore und anderen Feuchtgebiete sind durch Aufforstung, Landnutzung und Infrastruktur z. T. weitgehend voneinander isoliert. Als Folge der Beliebtheit der Blitzenreuter Seenplatte als Naherholungsgebiet sind stellenweise auch Trittschäden in empfindlichen Moorbereichen zu beobachten.

Li.: Ein umfangreiches Netz aus Entwässerungsgräben entwässert die Bitzenreuter Seenplatte. Re.: Torfstich

Folgen der Entwässerung
Entwässerung führt zu dauerhaftem Austrocknen des Bodens und damit zu einer Reihe von Folgeschäden:

Li.: Der Sonnentau ist ein typischer Moorbewohner, hier Langblättriger Sonnentau. Re.:Von Verbuschung betroffene Riedwiese

Folgen der Nährstoffanreicherung