Das Projektgebiet

Die Blitzenreuter Seenplatte

Karte:

Das 420 ha große Projektgebiet ist Teil der Gemeinden Wolpertswende und Fronreute, ca. 15 km nordwestlich von Ravensburg. Prägend für die Blitzenreuter Seenplatte sind die 4 Seen Schreckensee, Buchsee, Häckler Weiher und Vorsee. Sie sind umgeben von Feuchtgebieten unterschiedlichen Charakters, sowie von Waldgebieten. Große Teile der Blitzenreuter Seenplatte sind zu Naturschutzgebieten, Schon- und Bannwald oder FFH-Gebieten erklärt.

Natürliche Gegebenheiten

Höhe

Ca. 580 m ü. NN

Naturraum

"Becken von Altshausen-Waldsee" im Bodensee-Jungmoränenland

Geologie

Stark reliefierte Jungmoränenlandschaft
Projektgebiet liegt in Schmelzwasserrinnen zwischen Endmoränenwällen
Untergrund: tertiärzeitliche Ablagerungen der Oberen Süßwassermolasse
Untergrund überlagert von eiszeitlichen Sedimenten und Schottern des Rheingletschers (ca. 50 m)

Klima

Atlantisch geprägtes Klima mit kontinentalem Einschlag
Submontane Zone

Temperatur
(Jahresdurchschnitt)

7,5 C (Mittel 1826 - 1900)

Niederschlag
(Jahresdurchschnitt)

847 mm (Mittel 1961 - 1990, DWD)
Maximum Juni - August

Stillgewässer

Gesamtfläche ca. 57,5 ha
Häckler Weiher: 13,5 ha, künstlich aufgestaut
Buchsee: 7,6 ha, natürlich, Toteisloch
Schreckensee: 27,4 ha, natürlich, Toteisloch
Kleiner Schreckensee: 0,3 ha, natürlich, ehem. Teil des Schreckensees
Vorsee: 8,7 ha, natürlich, Toteisloch

Fließgewässer

Ca. 16 km (ca. 8 km natürlich, 8 km künstlich angelegt)

Moore

Ca. 205 ha

Wälder

Ca. 200 ha


Erste Spuren menschlicher Besiedlung

Die Blitzenreuter Seenplatte bot den Menschen schon in vorgeschichtlicher Zeit eine Lebensgrundlage. So zeugen Besiedlungsspuren aus der späten Altsteinzeit, der Mittelsteinzeit und der Jungsteinzeit von menschlichem Leben am Schreckensee. Eine Siedlung auf der Halbinsel im Schreckensee konnte auf das Jahr 3256 v. Chr. datiert werden. Weitere archäologische Fundstellen werden um den Buchsee, Häckler Weiher sowie im Dornacher Ried vermutet.

Historische Nutzung - Seen

Häckler Weiher:
Der heutige Häckler Weiher entstand vermutlich Mitte des 12. Jahrhunderts durch Überstau eines Niedermoors. Ein ursprüngliches Gewässer an derselben Stelle war zu diesem Zeitpunkt schon vollständig verlandet.

1401
erstmalige urkundliche Erwähnung des Häckler Weihers

1414
Übergang in Eigentum des Klosters Weingarten:
Anlage eines Zulaufs vom Vorsee zum Häckler Weiher
(noch heute als Graben sichtbar)
Nutzung des Weihers für intensive Fischzucht, Entenjagd
Höhepunkt der Nutzung im späten Mittelalter und früher Neuzeit:
Größe ca. 95 ha
Ab 18. Jahrhundert nur noch extensive Fischerei, zunehmende Streu- und Weidenutzung im Häckler Ried

1806
Übergang des Klosterbesitzes an das Könighaus Württemberg:
Königliches Jagdrevier bis zum 1. Weltkrieg,
Verpachtung von Fischerei, Streunutzung und Blutegelfang

1844
Könighaus Württemberg plant dauerhafte Trockenlegung des Häckler Weihers zur landwirtschaftlichen Nutzung

1845
Einwohner von Blitzenreute bringen die Trockenlegungspläne in einer Petition an das Könighaus zum Scheitern mehr...

Vorsee, Buchsee und Schreckensee
Auch die übrigen Seen der Blitzenreuter Seenplatte wurden jahrhundertelang als Fischgewässer genutzt. Zwischen allen Gewässern bestanden Verbindungen, um die Fischerei zu optimieren.

1414
Anlage eines Zulaufs vom Vorsee zum Schreckensee

1670
Größe des Vorsees ca. 42 ha

1822
Größe des Schreckensees ca. 42,5 ha
Größe des Kleinen Schreckensees ca. 2,3 ha
Größe des Buchsees ca. 4,6 ha

ab 1727
Absenkung des Wasserspiegels im Vorsee zur Gewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen

ab 1846
Absenkung des Wasserspiegels in Schreckensee und Buchsee zum Bau der Staatsstraße zwischen Stuttgart und Ravensburg

Das Seen- und Weihersystem der Blitzenreuter Seenplatte um 1660
(in Anlehnung an Konold 1987)


Historische Nutzung - Moore

Hutweide, Streunutzung
Nicht entwässerte Moore wurden seit vielen Jahrhunderten zur extensiven Beweidung durch Rinder genutzt. Die Rinder wurden von Hirten durch die Moore geführt. Die Niedermoore des Häckler Rieds dienten auch der Streunutzung.

17. Jhdt:
Erstmalige urkundliche Erwähnung der Hutweide- und Streuwiesennutzung. Die Nutzung hat jedoch sicher schon viel früher stattgefunden.

19. Jhdt:
Erste Entwässerungsversuche: Eine Abbildung von 1870 zeigt bereits verlandete Gräben

1874
Intensivierung der Streunutzung im Häckler Ried: Anlage von Schiffahrtskanälen zur Entwässerung der Streuwiesen und Abtransport der Streu mit Nachen
Ausführung der Arbeiten durch italienische Arbeiter
Dimensionierung der Gräben größer als für Entwässerungsgräben üblich:
Tiefe 1,5 m; Breite 3,7 m; Sohlenbreite 0,86 m

ab 1960
Aufgabe der Streunutzung

1975
Wiedereinführung der Streunutzung als Naturschutzmaßnahme

Holznutzung
Schon im 18. Jahrhundert wurden Moorkiefern (Spirken) als Brennholz genutzt. Im Häckler Ried wurde nach Anlage der Schiffahrtskanäle 1874 vermutlich versucht, mit Fichten, Kiefern und Erlen aufzuforsten.

Torfabbau
Im nördlichen Teil des Dornacher Rieds wurde im Laufe von 130 Jahren die ca. 7 m mächtige Torfschicht von Hand bis auf die Tonmudde abgetorft. Der Torf diente als Brennmaterial.

1823
Beginn einer ungeregelten Entwässerung: Anlage von Entwässerungsgräben und eines Moränendurchstichs nach Osten
Eigentümer war zu dieser Zeit die Armenstiftung der Stadt Ravensburg, die Torfteile an die arme Bevölkerung verpachtete

1834
Verkauf der bisher verpachteten Torfteile

1887
Renovierung des Entwässerungssystems

1930
erneute Renovierung des Entwässerungssystems

1931
Umwandlung der bisherigen Eigentümergesellschaft ("Riedgesellschaft") in eine Entwässerungsgenossenschaft mit dem Ziel, das Ried zu kultivieren
Die Kultivierung wurde wegen hoher Kosten niemals durchgeführt.

1948
letzte gemeinsame Grabearbeiten

ca. 1960
Aufgabe des Torfabbaus

Im südlichen Teil des Dornacher Rieds wird um 1840 im Zusammenhang mit der Trockenlegung des Häckler Weihers eine Entwässerung zum Zwecke der Holznutzung diskutiert. Die Entwässerung findet jedoch nicht statt.

1874
Verlängerung des Hauptgrabens aus dem Häckler Ried bis zum Blindsee, Anlage von Querbauwerken
Ziel: Vorbereitung des Torfabbaus mit Abtransport des Torfs auf dem Wasserwege zum Häckler Weiher
Dimensionierung der Gräben noch größer als im Häckler Ried: Breite 5 m,
Tiefe 2 m
Wegen extrem schwieriger Arbeitsbedingungen und der losen Konsistenz des Torfs wird die Arbeit nach einiger Zeit niedergelegt. Der Torfabbau wird nie realisiert.

1924
Ausweisung des Dornacher Rieds als Bannwald