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Jagd auf Eindringling in Naturschutzgebiet

Die rasche Ausbreitung des Indischen Springkrauts (Impatiens glandulifera) gefährdet immer mehr den Lebensraum heimischer Pflanzen. Mit einem freiwilligen Arbeitseinsatz für die Natur vor Ort haben sich im Sommer Jugendliche der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg aus Balingen, die am Buchsee Zeltlager hielten, an einer Pflegeaktion der PRO REGIO beteiligt. Aufgabe war es, eine 4 Hektar große Fläche im Projektgebiet des benachbarten EU- Life- Projektes „Blitzenreuter Seenplatte“ vom „Drüsigen“ oder auch „Indischen Springkraut“ zu befreien.

Das Drüsige Springkraut stammt ursprünglich aus dem Himalaya und wurde im 19. Jahrhundert als Gartenpflanze nach Europa gebracht. Von den Gärten ausgehend drang dieser Fremdling in die heimische Flora ein und verbreitet sich seitdem mit hoher Geschwindigkeit. Lebensräume aller Art sind geeignet und reichen von Flußufern und Feuchtgebieten bis hin zu Waldrändern und Lichtungen. Was für den Gartenfreund eine Freude ist, ist für Naturschutzbehörden und -verbände ein „Dorn im Auge“. Seine hohe Blüten- und Samenproduktion machen das Springkraut zu einem aggressiven Eindringling, der einheimische Pflanzen in ihren natürlichen Lebensräumen verdrängt und damit zum Verlust der Artenvielfalt führt. Das Springkraut wächst schnell und bildet dichte Reinbestände von bis zu 2,5 Metern Höhe. In solchen Massenvorkommen haben kleinere, langsamer wachsende Pflanzen keine Chance, Fuß zu fassen und zu überleben. Das dichte Wurzelwerk entzieht dem Boden Nährstoffe und die meterhohen Pflanzen beschatten ihn. Dadurch werden kleinere Pflanzen zuerst geschwächt und gehen schließlich zugrunde. Das Springkraut sollte daher durch Mahd oder Ausreißen der Pflanze mit den Wurzeln vollständig entfernt werden. Dies ist jedoch nur sinnvoll, bevor die Früchte und Samen gebildet sind, also Mitte Juni bis Anfang August.

Fotos: Das Springkraut bildet dichte Bestände. Seinen Namen verdankt das Springkraut dem Mechanismus, mit dem die Samen verbreitet werden: bei Berührung der prallen Samenkapsel durch Mensch, Tier oder Regentropfen springt diese auf und die reifen Samen werden explosionsartig in die Umgebung geschleudert.

 

So geschehen in der Blitzenreuter Seenplatte, wo eine abgeholzte Waldfläche im ehemaligen Wolpertswender Torfstich zur „ökologischen Kampfzone“ geworden war: Wo sich Heidelbeer- und Rauschbeersträucher, Keimlinge einheimischer Bäume und auf lange Sicht empfindliche Feuchtgebietspflanzen ausbreiten sollen, dominierte großflächig das Drüsige Springkraut. Mit Hilfe der Jugendlichen aus Balingen wurde Anfang August die Fläche innerhalb weniger Stunden vom Springkraut befreit, um der heimischen Vegetation die ungestörte Entwicklung zu erleichtern.  

Bekämpfungsmaßnahmen müssen in der Regel mehrere Jahre hintereinander wiederholt werden, um erneute Ausbreitung durch die hohe Anzahl an Samen im Boden verhindern zu können. Wegen der leeren Haushaltskassen beschränken sich Bekämpfungsmaßnahmen derzeit jedoch auf Naturschutzgebiete. Die Naturschutzbehörden begrüßen es daher ausdrücklich, wenn sich Jugendliche, wie im Life- Projekt Blitzenreuter Seenplatte, für den Schutz der Natur engagieren.

Fotos: Große Einsatzfreude zeigten die knapp 30 Jugendlichen der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg aus Balingen bei der Bekämpfung des Drüsigen Springkrautes in der Blitzenreuter Seenplatte.

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